Zertifizierung Thermografien
Empfehlungen der ÖSTERREICHISCHEN GESELLSCHAFT FÜR THERMOGRAFIE bei der Beauftragung von Dienstleistern / Das Wissen über das Messobjekt / Das Wissen über die Ausrüstung / Das Wissen über den Preis
Zertifizierung Thermografie
Wie auch andere Bereiche, ist die IR Messung und deren Berichtlegung genormt, mit der -ÖNORM EN 13187, Ausgabe 1999-03-01. Dies ist vielen „Thermografen“ nicht geläufig!
Was darf mit einer Zertifizierung für das jeweilige Fachgebiet >Bauthermografie, Elektrothermografie, Lecksuche und Industriethermografie (Infrarotmessung) nach EN 473 Stufe 1 von der zertifizierten Person ausgeführt werden:
Stufe 1:
Eine Person, die in Stufe 1 zertifiziert ist, hat ihre Fähigkeit nachgewiesen, Arbeiten nach einer Prüfanweisung unter der Aufsicht von Stufe 2- oder Stufe 3-Personal auszuführen. Das Stufe 1-Personal darf innerhalb des auf den Zertifikat festgelegten Aufgabenbereich autorisiert werden
Geräte einzustellen
Thermographische Prüfungen durchzuführen;
Prüfergebnisse zu protokollieren und auf der Grundlage schriftlicher Bewertungskriterien zu bewerten;
Über Ergebnisse zu berichten;
Personal der Stufe 1 arbeitet somit weisungsgebunden.
Was darf mit einer Zertifizierung für das jeweilige Fachgebiet >Bauthermografie, Elektrothermografie, Lecksuche und Industriethermografie (Infrarotmessung) nach EN 473 Stufe 2 von der zertifizierten Person ausgeführt werden:
Stufe 2:
Eine Person, die in der Stufe 2 zertifiziert ist, hat ihre Fähigkeit nachgewiesen, thermographische Prüfungen nach aufgestellten oder allgemein anerkannten Verfahrensweisen durchzuführen und zu leiten. Das Stufe 2-Personal darf innerhalb des auf dem Zertifikat festgelegten Aufgabenbereiches autorisiert werden
Die Prüftechnik auszuwählen
Die Anwendungsbereiche abzugrenzen
Normen und Spezifikationen in Prüfanweisungen umzuwandeln
Geräte einzustellen und die Einstellungen zu prüfen
Thermographische Prüfungen durchzuführen und zu überwachen
Prüfergebnisse auszulegen und nach anzuwendenden Normen, andere Regelwerke oder Spezifikationen zu bewerten
Schriftliche Prüfanweisungen zu erstellen
Alle Tätigkeiten der Stufe 1 durchzuführen und zu überwachen
Personal in oder unterhalb der Stufe 2 am Arbeitsplatz einzuarbeiten bzw. anzuleiten
Prüfergebnisse zusammenstellen und zu dokumentieren
Stufe 3:
Lehr- und Prüfungstätigkeit bzw. Prüfungsbeauftragte der Zertifizierungsstelle.
Empfehlungen der ÖSTERREICHISCHEN GESELLSCHAFT FÜR THERMOGRAFIE bei der Beauftragung von Dienstleistern
Das Wissen über das Messobjekt
Bei der IR Thermografie handelt es sich nicht, wie oftmals angenommen oder vorgegeben wird, um einen neuen technischen Berufszweig. Eine IR Thermografie-Messeinrichtung ist ein "Werkzeug", mit dem berührungslos Strahlungsintensitäten gemessen, und unter Kenntnis strahlungsphysikalischer Parameter rechnerisch in Temperaturwerte übergeleitet werden. Die von einem IR Messsystem gelieferten elektrischen Signale werden in Thermobilder umgesetzt, denen man in der Regel Fremdfarben zuordnet. Es wird somit das thermische Geschehen auf der Oberfläche eines Messobjektes sichtbar dargestellt. Erst hohes Fachwissen ermöglicht es, mit Hilfe des thermischen Verhaltens den Zustand des gemessenen Objektes beurteilen zu können. Es ist daher bei einer Auftragsvergabe auf einschlägiges Fachwissen (Lehrberuf, berufsbildende Schule, Studium) und die Gewerbeberechtigung des Auftragnehmers zu achten. Weiterbildung wie z.B. Zertifizierung ist als Standard anzusehen.
Eine Auftragsvergabe an „Fachlaien“ bedeutet in der Regel „Geld in den Sand zu setzen“. Im Zweifelsfalle empfiehlt es sich, Referenzen einzuholen.
Das Wissen über die Ausrüstung
Das Angebot an IR Kameras ist in den letzten Jahren sehr groß geworden. Nahezu alle Geräte-Anbieter führen eine breite Palette.
Vom Low-Cost- bis zum High-End-Gerät. Der Einsatzbereich ist es, der bestimmt, welche Art oder Typ von Gerät (und damit die Preisklasse) vom Dienstleister zu verwenden ist.
Für Forschung, Entwicklung und spezielle Anwendungen wie z.B. Inline-Kontrolle stehen Spezialsysteme zur Verfügung, die für den Einsatz in der Dienstleistung überbestimmt sind. Auch für diesen Bereich werden heute Thermokameras angeboten, deren Leistungsmerkmale noch vor kurzer Zeit unvorstellbar waren (z.B. 640 x 480 Bildpunkte).
Als Stand der Technik kann heute ein Mess-System mit 320 x 240 Bildpunkten und einer thermischen Auflösung von 0,1°C angesehen werden.
Geräte mit geringeren Leistungsdaten wurden für andere Aufgabenstellungen entwickelt (z.B. einfache Aufgabenstellungen in der Instandhaltung). Für Messeinsätze, deren Ergebnis ein Befund sein soll, sind sie ungeeignet. Bei vielen Aufgabenstellungen (z.B. in der Bauthermografie) ist auch zu beachten, dass Low-Cost-Geräte in der Regel nicht mit Wechseloptiken ( Weitwinkel / Tele ) ausrüstbar sind.
Das Wissen über den Preis
Generell bestimmen der Zeitaufwand für eine Messung, die Qualifikation des Messtechnikers und die Qualität des Equipments den Gesamtpreis. Beispielhaft ist der Bereich der Bauthermografie besonders gut geeignet, Preisvergleiche anzustellen und sie zu bewerten. Besondere Bedeutung bei der Beurteilung einer Angebotssumme kommt dem Umstand zu, dass sich der Auftraggeber mangels eigenem Fachwissen seiner Meinung nach einem Fachmann anvertraut.
Er weiß in der Regel nicht, wie komplex ein aussagefähiges Gutachten wirklich ist. Er weiß auch nicht, dass neben den Aufnahmen von außen, auch solche vom Inneren des Objektes, und bei Bedarf zusätzlich Dichtheitsmessungen (blower door) erforderlich sind.
„Bunte Bilder“ ausschließlich von außen, und dann womöglich noch am Tag und bei Sonnenschein erstellt, sind wertlos, auch wenn sie kostenlos angeboten werden.
Der Zeitaufwand für die thermografische Untersuchung (Außen-
u. Innenthermografie) eines durchschnittlich großen Einfamilienhauses
beträgt inklusive Befundung und Dokumentation (im Büro) ca. 5 -
6 Stunden (ohne Fahrzeiten).
Werden bei der Auftragsvergabe die drei „Eckpfeiler“ eines richtigen
und aussagefähigen Thermografie-Befundes
• Fachwissen
• Qualität der Ausrüstung und
• geplanter Zeitaufwand
hinterfragt, kann bereits vor Beginn der Messungen die Qualität und
somit der Wert des Endproduktes, das ist die Dokumentation (mit Empfehlungen),
abgeschätzt werden.










